SOS! Erste Hilfe bei wunden Brustwarzen

SOS! Erste Hilfe bei wunden Brustwarzen

SOS! Erste Hilfe bei wunden Brustwarzen 2500 1500 Ileana

Schmerzen beim Stillen sind der häufigste Grund, warum Frauen abstillen oder abstillen wollen. Oft sind wunde oder gereizte Brustwarzen daran beteiligt. Einerseits müssen sich die Brustwarzen erst an die neue Belastung des Stillens gewöhnen, andererseits kann falsches Anlegen, die Verwendung von Stillhütchen, Milchpumpen oder ein Vampirbaby 🧛‍♀️😉 der Grund für wunde Brustwarzen sein.

Mein Tipp:

Ein Besuch bei einer Stillberaterin klärt in jedem Fall ab, ob richtig angelegt wird oder was im speziellen Fall zu tun ist, damit die Verletzung schnell abheilen kann. IBCLC StillberaterInnen in eurer Nähe findet ihr hier: www.stillen.at/stillberaterinnen/

Meine Kleine ist nun 12 Wochen alt und erst jetzt scheinen meine Verletzungen endlich abzuheilen und endlich schaffen wir es, schmerzfrei zu stillen. Ich habe alles – und wenn ich sage alles, dann meine ich alles – ausprobiert, um die Wunden zu heilen und die Schmerzen zu lindern.

Meine Liste aller möglichen Möglichkeiten zur Linderung von schmerzenden oder Heilung von wunden Brustwarzen:

Muttermilch

Muttermilch wirkt antibakteriell, entzündungshemmend und beim Stillen immer verfügbar. Einfach den letzten Tropfen Muttermilch nach dem Trinken auf die Brustwarze geben bzw. auf der Brustwarze belassen und an der Luft antrocknen lassen.

Lansinoh Salbe

Das Wollfett ist momentan die Nummer 1 an Salben, die von Ärzten und Hebammen empfohlen wird. Leider ist es meiner Meinung nach für schon überbeanspruchte Brustwarzen völlig sinnlos. Es ist gut zur Pflege nach dem Stillen, um gesunde Brustwarzen geschmeidig zu halten, entwickelt aber meiner Meinung nach kaum bis keine Heilwirkung.

Garmastan Salbe

Bevor Lansinoh auf den Markt kam, war die Garmastan Salbe die Empfehlung Nummer 1. Sie wird laut Beschreibung seit Jahrzehnten eingesetzt und beinhaltet die pflegende und entzündungshemmende Wirkung von Guajazulen, dem ätherischen Öl des Guajabaumes. Leider wird die Garmastan in Österreich nicht mehr vertrieben, weil Lahnisol ihr den Markt abgrub. Man kann sie aber über Apotheken aus Deutschland bestellen lassen. Das habe ich gemacht und war mit der Salbe sehr zufrieden.

Beinwell-Salbe

Die Beinwell-Salbe enthält neben Beinwelltinktur viele natürliche Inhaltsstoffe wie Johanniskraut, Ringelblumenöl, Mandelöl und Propolistinktur, die die Heilung von wunden Brustwarzen unterstützen. Ich habe sie gerne verwendet und ich hatte auch das Gefühl, dass sie gut hilft. Nachteil: Man sollte die Salbenreste vor dem Stillen abwaschen, da Beinwell oral eingenommen giftig ist und sich negativ auf die Leber auswirkt.

Medela Hydrogel Pads

Die Pads von Medela legt man am besten in den Kühlschrank und „klebt“ sie nach dem Stillen auf die Brustwarze/Brust. Die Inhaltsstoffe fördern die Heilung und das kühle Pad lindert ebenso die Reizung. Ein Pad kann man 24 Stunden verwenden, die klebrige Oberfläche ist aber vielleicht nicht jedermanns Sache. Nachteil auch hier: Man muss die Rückstände vor dem Stillen abwaschen.

Octenisept Desinfektionsspray

Sind die Brustwarzen schon wund, dann sollten sie nach dem Stillen desinfiziert werden. Dies klappt mit dem Spray aus der Apotheke sehr gut. Er brennt nicht und ich kann aus Erfahrung sagen, dass er sicher vor einer weiteren Infektion schützt. Gute Pflege und Sauberkeit sind bei offenen Brustwarzen das Um und Auf!

Schmerzmittel

Wenns gar nicht anders geht, kann man nach Rücksprache mit Arzt oder Hebamme auch Schmerzmittel wie z.B. Ibuprofen einsetzen. Gut, dass es Schmerzmittel gibt, die man auch während des Stillens einnehmen kann. Ich denke, man muss nicht leiden, wenn man gegensteuern kann.

Phytolacca (homöopathische Arznei)

Phytolacca D12 Globuli und Phytolacca Urtinktur wirken entzündungshemmend und werden bei Milchstau oder wenn die Milch nicht fließen will, eingesetzt. Zusätzlich soll es auch bei Muskelschmerzen helfen. Da es häufig bei Schmerzen während des Stillens oder schon ausgelöst durch die Angst vorm Schmerz zusätzlich zu Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich kommen kann, ist Phytolacca hier ebenso hilfreich. Von den Globuli kann man 10 Kugerln 1–2 mal täglich einnehmen (30 Minuten vor und nach der Einnahme sollte nichts gegessen oder getrunken werden, damit Globuli optimal wirken können), die Tinktur wird 1:10 mit Wasser verdünnt (1 Teelöffel Tinktur auf 10 Teelöffel Wasser) als Kompresse (in Tinktur getränktes Tuch) auf die Brustwarze für ca. 10 Minuten aufgelegt. Beides ist in der Apotheke erhältlich.

Elanee Silber-Stilleinlagen

Wunde Brustwarzen sind nicht nur beim Stillen schmerzhaft, sondern auch beim Tragen des BHs. Das Silber in den Stilleinlagen wirkt antibakteriell und kühlend, die Einlagen sind außerdem atmungsaktiv. Zusätzlich kann eine aufgetragene Salbe beim Tragen der Einlagen gut einziehen. Im Vergleich zu wattierten Stilleinlagen sind diese zwar nicht so saugfähig, eine offene Wunde klebt aber an diesen Stilleinlagen nicht fest. Es gibt nichts Schlimmeres, also Finger weg von Einwegstilleinlagen! Die Silber-Stilleinlagen sind mit der Hand waschbar, also auch wiederverwendbar.

Topfenwickel

Bei drohendem Milchstau oder bei schmerzenden Brustwarzen haben sich auch Topfenwickel als wirksam erwiesen. Vor dem Stillen sorgen warme Umschläge für einen entspannten Milchfluss und nach dem Stillen sorgen kühlende Topfenwickel zur Linderung von Schmerzen. Dazu ein Zellulosetuch (es geht auch ein Blatt Küchenrolle oder ein Blatt Taschentuch aus der Box) zur Hälfte wie ein Brot mit Topfen bestreichen. Die andere Hälfte danach darauf klappen und eventuell zusätzlich mit Lavendelhydrolat besprühen. Dies wirkt zusätzlich entspannend. Die so gut „verpackten“ Wickel können in den Kühlschrank gelegt und nach Bedarf verwendet werden.

Abpumpen oder Ausstreichen

Falls die Schmerzen so stark sind, wodurch ein Stillen unmöglich wird, keinesfalls einfach abwarten! Nach ein paar Stunden bildet sich ein Milchstau der nach weiteren Stunden oder Tagen zu einer Brustentzündung (Mastitis) führen kann. In dem Fall sollte die Milch abgepumpt oder wenn dies ebenso schmerzhaft ist, ausgestrichen werden. Ich habe bei dem schlimmsten Stadium meiner Wunde an der verletzten Seite nur 2–3 Mal am Tag gestillt, bei jeder anderen Mahlzeit ausgestrichen. Das Ausstreichen erfordert etwas Übung und sollte von einer Stillberaterin gezeigt werden. Das Problem war, dass die Milch einer Brust nicht ganz zum Sattwerden gereicht hat. Entweder man fängt die ausgestrichene Milch auf oder es muss eben in der Zeit PRE-Milch zugefüttert werden. Der große Vorteil des Ausstreichens gegenüber dem Abpumpen ist nicht nur das schmerzfreie Entleeren der Brust, sondern durch das Ausstreichen wird auch die Milchproduktion nicht so stark angeregt, wie beim Abpumpen. Das ist natürlich bei drohendem Milchstau optimal.

Den Ansaugschmerz vermeiden oder lindern

Wenn die Brustwarzen schon schmerzen, dann bedeutet jedes Ansaugen des Babys – das heißt jeder Stillbeginn – große Überwindung. Um den Ansaugschmerz zu lindern, kann man mittels Ausstreichen den Milchspendereflex auslösen, wodurch das Baby nicht so stark ansaugen muss, da die Milch schon fließt.

Massage

Um den Milchfluß anzuregen kann man vor dem Stillen die Brust massieren. Man geht hier äußerst behutsam vor und arbeitet sich mich kleinen kreisenden Bewegungen der Finger vom Schulter- und Achselbereich bis zur Brustwarze vor. Es sollte mehr ein Streichen sein und keinesfalls schmerzen, sondern sich angenehm anfühlen. Eine Schulter- oder Fussmassage vor oder während des Stillens beispielsweise vom Partner 😁 ist immer eine gute Sache und wirkt generell entspannend vor allem, wenn es Verspannungen aufgrund von Schmerzen oder der Angst davor gibt. Professionelle Massagen mit Kinderbetreuung gibt es beispielsweise bei Sarah Klarer.

Und das Wichtigste: Stress vermeiden, Stress vermeiden, Stress vermeiden!

Stress ist der häufigste Auslöser eines Milchstaus und der kann bei Schmerzen schnell entstehen. Durch Anspannen der Schulter- und Nackenmuskulatur kann sich auch die Brust verspannen, was ebenso einen Milchstau begünstigt. Bei Schmerzen und/oder Milchstau alles absagen, nicht arbeiten, sich nur mit lieben Menschen umgeben, die einem Tee und Essen kochen, viel mit dem Baby kuscheln, schlafen und einfach nur Mama sein.

Und wenns gar nicht anders geht: Abstillen

Ich bin der Meinung, dass man nicht leiden muss. Natürlich ist die Muttermilch das Beste für unsere Kinder, aber wenn es sie körperlichen Umstände nicht zulassen, dann ist man auch keine schlechte Mutter, wenn man abstillt. Im Gegenteil. Eine entspannte, glückliche und schmerzfreie Mutter ist besser als eine gestresste, unglückliche und schmerzgeplagte. Ich habe durchgehalten, länger als ich dachte. Ja, es wird besser, ja, es wird leichter und ja, irgendwann tut es nicht mehr weh. Das ich das einmal sagen kann, hätte ich auch nie für möglich gehalten.

Und wenn gar nichts mehr hilft, dann hilft weinen.

Eine liebe Hebamme sagte einmal zu mir, als ich mit einem akuten Milchstau zu ihr kam: „Wo Tränen fließen, fließt auch Milch.“